Ländliche Unternehmen im Abseits

LÄNDLICHE UNTERNEHMEN IM ABSEITS

70 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in den Landkreisen erwarten zukünftig größere Probleme bei der Gewinnung von Fachpersonal. Dies ergab eine Analyse der KfW Research anhand des aktuellen Mittelstandspanels der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Von den in kreisfreien Großstädten ansässigen Unternehmen rechnen dagegen deutlich weniger mit zunehmenden Schwierigkeiten bei der Fachkräftesuche – hier sind es 54 Prozent.

Sind Landkreise unattraktiv für Arbeitskräfte?

Ländliche Regionen besitzen in den Augen vieler Arbeitnehmer eine Reihe von Standortnachteilen. Deshalb entscheiden sich vor allem Berufseinsteiger oft für einen Job in der Großstadt: Nach Analyse der KfW Research ziehen knapp doppelt so viele Menschen für eine Arbeitsstelle in die Stadt als aufs Land. Gründe, warum sich Fachkräfte im Zweifel eher gegen einen Posten auf dem Land entscheiden, können neben dem langen Arbeitsweg und der schlechteren Verkehrsanbindung, das kleinere Angebot an Freizeit- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Zudem sind sowohl Gastronomien als auch technische und soziale Infrastrukturen wie Kindergärten oder Ärzte weniger vorhanden. Jedoch ist der Mangel an Fachpersonal nicht das einzige Problem, das die Landkreise stärker betrifft als die Städte.


Mangelnde technische Voraussetzungen hemmen Digitalisierung

Viele Experten sehen im digitalen Wandel eine Antwort auf Herausforderungen wie den Fachkräftemangel und das Bestehen im internationalen Wettbewerb. Dabei sind allerdings ländliche Firmen oft in einer schlechteren Position. Denn nach wie vor gibt es in Deutschland keinen flächendeckenden Mobilfunkempfang oder uneingeschränkten Internetzugang. Auch bei den technischen Entwicklungen zu einem 5G-Standard gibt es noch Verbesserungspotenzial. In diesen Bereichen ist das Stadt-Land-Gefälle deutlich spürbar. Sind dabei technische Grundlagen wie ein jederzeit zugängliches Internet mit hoher Datenrate nicht gegeben, lassen sich Digitalisierungs-Projekte nicht erfolgreich unmsetzen. Und das beginnt nicht erst bei hochtechnischen Lösungen wie Smart Industry, Internet der Dinge oder Predictive Maintenance – schon die Arbeitsteilung über eine Cloud oder einfache Warenwirtschaftssysteme, die permanenten Onlinezugang erfordern, funktionieren dann nicht.


Wie kann es besser werden?

Auch die Bertelsmann Stiftung sieht den Technologieausbau in ihrer Studie „Digitale Zukunft auf dem Land“ (hier fehlt eine Verlinkung) als Chance für die Landkreise. Denn die Digitalisierung überwinde mühelos große Distanzen und ermögliche dadurch Zusammenarbeit ohne körperliche Anwesenheit. Allerdings müssten dafür auch entsprechende Voraussetzungen gegeben sein. Zwar sei Einiges schon in Bewegung, doch stünden die meisten Projekte noch ganz am Anfang. Dabei geht es den Experten vor allem darum, dass Unternehmen im ländlichen Raum neben einen stabilen Internetzugang, staatliche Förderung sowie einen Bürokratieabbau bei der technischen Aufstockung erhalten.


Unternehmen nehmen Lösungen selbst in die Hand

Nur weil die Bedingungen nicht optimal sind, heißt das nicht, dass die Situation für Mittelständler auf dem Land aussichtlos ist. Denn es gibt in der deutschen Provinz eine ganze Reihe versteckter Weltmarktführer, sogenannte Hidden Champions. Und sie entwickeln ihre ganz eigenen Lösungen, um ihre Standortnachteile auszugleichen. Sei es der Ausbau des Arbeitgebermarketings oder das Angebot flexibler Formen wie Homeoffice und Gleitzeit. Auch Unterstützung durch Kinderbetreuung und Weiterbildungen gehört hier zu den Lösungsansätzen.


Probleme bei der Finanzierung

Die Kapitalbeschaffung wird für viele KMU immer mehr zur Herausforderung. Denn traditionell pflegen gerade ländliche Unternehmen in den meisten Fällen lediglich die Beziehung zu ihrer Hausbank. Die Umfrage der Finanzierungsplattform Compeon ergab, dass nur rund ein Viertel der KMU unterschiedliche Finanzierungsangebote miteinander vergleichen. Doch werden die Banken infolge der Finanzkrise von Seiten der Politik in ihrer Risikobereitschaft immer stärker reguliert. Solange die Bonität eines Unternehmens erstklassig ist, gibt es dabei kein Problem. Jedoch verfügen gerade kleinere Firmen oder Betriebe in strukturschwächeren Regionen nicht immer über eine Top-Bonität. Auf klassischen Bankweg kann ihrem kurzfristen und individuellen Kapitalbedarf nicht entsprochen werden – laut Umfrage werden rund ein Fünftel der Kreditanfragen kleinerer Unternehmen abgelehnt.

Als Partner und Impulsgeber für den Mittelstand möchten wir von creditshelf in allen Regionen Deutschlands flächendeckend Fuß fassen. Daher bauen wir auch unser Partnerprogramm für freie Berater umfassend aus. Hier (hier fehlt eine Verlinkung) erfahren Sie mehr zum Programm.

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