Corona-Krise treibt Transformationsprozesse voran

In den vergangenen Wochen haben wir die Corona-Pandemie mit einigen Blogbeiträgen begleitet. Dabei haben wir die Möglichkeiten zur Liquiditätssicherung ausgelotet und einen Blick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen gewagt. In diesem Teil der Corona-Reihe beleuchten wir, wie sich verschiedene Branchen auf die Krise eingestellt und ihre Geschäftsmodelle entsprechend angepasst haben.

Digitalisierung – jetzt aber wirklich!

Seit Jahren wird die Notwendigkeit zur Digitalisierung angepriesen, doch diese lag bisher friedlich in einem Dornröschenschlaf - bis Corona kam. Auf einmal befand sich die gesamte Realität in einem zwangsweise verordneten Ruhemodus und machte so der digitalen Welt den Weg frei. Es wird deutlich: Die Corona-Krise hat die Digitalisierung beschleunigt. Aber was versteht man eigentlich darunter und welche Geschäftsbereiche betrifft das genau?

E-Health:

Um die sozialen Kontakte auf das Nötigste minimieren zu können, haben Ärzte ihre Patientenberatung aus dem „realen“ Sprechzimmer ins Internet übertragen. Über digitale Plattformen geben sie den Patienten in Videochats eine erste Einschätzung zu ihrem Gesundheitszustand, ohne dass sie die Wohnung verlassen müssen. Die Fernbehandlung wurde rege angenommen, wobei Plattformanbieter einen Nachfrageanstieg um mehr als 50 Prozent verzeichnet haben. Nachdem diese Art der Arzt-Patienten-Beziehung erheblich auf Akzeptanz gestoßen ist, wird die Telemedizin in den kommenden Monaten gewiss weiter an Fahrt aufnehmen. Anwendungsbeispiele sind hier neben dem E-Rezept auch Gesundheits- und Medizin-Apps sowie die telematische Überwachung von Patienten.

E-Learning:

Mit Corona fiel der Präsenzunterricht aus und die Lehrkräfte mussten Wege finden, den Stoff neu zu vermitteln. Dabei sind viele Bildungseinrichtungen und Weiterbildungsanbieter an ihre Grenzen gestoßen, sei es etwa im Bereich der Lehrkonzepte für einen Onlineunterricht oder hinsichtlich der digitalen Infrastruktur und notwendiger Medien. Hier werden wohl auch zukünftig neue Projekte und Arbeitskreise gestartet, die sich insbesondere auf die Informationsvermittlung via Internet konzentrieren.

E-Commerce:

Der lokale stationäre Handel gehörte neben dem Event- und Tourismusbereich zu einer der Branchen, welche die Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen am meisten zu spüren bekamen. Bei Händlern ohne Online-Shop fiel der Umsatz von einem Tag auf den anderen gänzlich aus. Die Unternehmen haben das Lehrgeld bezahlt und richten ihre Geschäftsmodelle nun verstärkt auf den zusätzlichen Verkauf über digitale Plattformen. Unvermeidlich, denn wie Umfragen ergeben, wird mindestens die Hälfte der Konsumenten auch in Zukunft über Online-Kanäle einkaufen. Hier ist also dringend digitales Handeln gefragt – im doppelten Sinne.

Homeoffice:

Das seit Jahren diskutierte Thema konnte sich bisher noch keinen festen Platz in der Arbeitswelt erkämpfen. Doch mit der Corona-Pandemie und der „stay-at-home“-Kampagne schlug die Stunde der Heimarbeit und sie wusste zu überzeugen. Sogar in dem Maße, dass laut einer Umfrage des Softwareunternehmens Eset bis zu 68 Prozent der Homeoffice-Arbeiter nach der Krise nicht wieder dauerhaft zurück ins Büro wollen. Es bleibt jedoch noch ungewiss, ob sich dieses Arbeitsmodell auch nach der Corona-Krise bewährt und Einzug in die Unternehmen hält. Dass Homeoffice funktioniert, hat die Corona-Krise aber auf jeden Fall bewiesen.

Flächendeckender Breitbandausbau zwingend erforderlich

Damit Unternehmen, Behörden und soziale Einrichtungen langfristige digitale Geschäfts- und Arbeitsmodelle etablieren oder Schüler und Studenten die neuen Lehrangebote alle gleichermaßen nutzen können, braucht es allerdings auch ein funktionierendes Mobilfunknetz – in der Stadt wie auf dem Land. Beim Ausbau der neuen Mobilfunkgeneration 5G hängt Deutschland im Vergleich zu China, Japan oder den USA deutlich hinterher. Nicht mal der flächendeckende Ausbau des 4G-Mobilfunknetzes wurde bis dato vollständig erreicht. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, wenn die digitale Welt keine Utopie bleiben soll.

Mit Automatisierung und Robotern das Ausfallrisiko reduzieren

Neben der Digitalisierung hat die Corona-Krise auch die Automatisierungsanstrengungen beschleunigt. Bisher hielten deutsche Unternehmen die Fertigungskosten dadurch geringer, indem die Produktion teilweise in Länder mit einem niedrigeren Lohnniveau ausgelagert wurde. Doch als während der Corona-Krise ganze Lieferketten zusammenbrachen, mussten sich einige Betriebe wieder verstärkt auf die heimische Produktion konzentrieren. Um die Kosten dabei weiterhin auf einem wettbewerbsfähigen Niveau halten zu können, werden die Prozesse nun verstärkt automatisiert.

Dort, wo Menschen im Falle einer Pandemie einer hohen Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind, könnten zukünftig in geeigneten Bereichen vermehrt Service-Roboter die Arbeit erledigen – sei es im Supermarkt an der Kasse, im Krankenhaus bei der Desinfizierung oder in einer Fertigungshalle. Der Automobilkonzern BMW hat etwa jüngst 5.000 Industrieroboter beim Maschinenbauer Kuka für neue Produktionslinien bestellt.

Änderung der Produktpalette

In den vergangenen Monaten wurde auch der Erfindergeist einiger Betriebe geweckt und hat zu einer Einführung von neuen Produkten geführt. Seit der Corona-Pandemie fertigt etwa ein Kleinbetrieb für Präzisionstechnik Hygieneschutzaufsteller für Büros, den Kassen- oder Tresenbereich. Ein anderes Unternehmen aus dem Maschinenbau hat in Rekordzeit eine Desinfektionssäule mit Fußhebel entwickelt. Und ein Automobilzulieferer für Interieurbauteile erweitert sein Leistungsangebot kurzum durch die Herstellung von Stoffmasken. Die Corona-Krise hat gezeigt, dass Unternehmen durchaus die Kraft und den Willen zur Transformation besitzen. Allerdings erfordern solche Maßnahmen in der Regel höhere Investitionen. Kapital, das viele Unternehmen derzeit nicht aufweisen können. creditshelf bietet passende und flexible Finanzierungslösungen, damit Sie sich zukunftssicher und marktgerecht aufstellen können.

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